Im Vorbeigehen

Neulich auf meiner Nordic Walking-Tour:

Herbstlaub

Zwei Frauen sitzen in Rollstühlen vor dem Altersheim. Das ist ungewohnt. Normalerweise sitzt dort jeweils nur eine. Und raucht. Tag für Tag. Raucht die andere auch? Habe ich nicht gesehen. Noch was anderes war speziell heute: Mein „Guten Morgen“ wird erwidert.

Was die, die immer dort sitzt wohl dabei denkt?
‚Heute ist sie früher dran als sonst.’
Oder ‚Schön, jemand der grüsst beim vorbeigehen’.
Vielleicht ‚Die schon wieder. Muss sie immer hier vorbeikommen und mir bewusst machen, dass ich nicht mehr gut laufen kann.‘
Oder ‚Das tut ihr sicher gut.’

Vielleicht denkt sie auch jeden Morgen etwas anderes.

Es ist kühl geworden, das Laub wird gelb und rot, fällt schon von den Bäumen. Und bald wird es zu kalt sein um draussen zu sitzen.

Vorbeifliegende Flieger

PC-7 Team

Ich gehe immer mit etwas gemischten Gefühlen an solche Flugvorführungen. Nicht weil ich Angst hätte dass ein Flugzeug abstürzt. Nein. Aber wenn ich als Jugendliche an Anti-Militär-Demos teilgenommen habe, kann ich dann heute bei sowas zuschauen ohne schlechtes Gewissen?

Ja, ich kann. Und ich habe. Zugeschaut wie die PC-7 Staffel am letzten Samstag in Luzern unter den tiefhängenden Wolken ein super Programm an den Himmel gezeichnet hat. Erlebt wie die Piloten Formationen bildeten, auflösten und in die nächste Figur zusammenfanden. Riskante Manöver flogen mit megakleinen Abständen zwischen den Flügelenden. Und anschliessend habe ich diese Jungs im IMAX erlebt, erfahren welche Sonderaufgaben sie neben dem Fliegen haben und als Abschluss gabs in der Verkehrshaus-Arena eine Autogrammstunde. Aufgereiht wie beim Abendmahl sassen sie dort, haben signiert, gestrahlt, Fragen beantwortet. Waren für ein positives Armeebild besorgt. Dieser Gedanke kam mir jedoch erst später.

Vorher, beim Stand der Gleitschirmflieger gab mir eine junge Frau Auskunft über ihr Hobby. Sie meinte dass es kein Hindernis gibt mit 59 Jahren das Gleitschirmfliegen zu lernen. Ausser jemand habe gesundheitliche Probleme oder körperliche Einschränkungen. Ich habe dann in einem Video gesehen, wie Flugschüler bei ihrem ersten Alleinflug am Boden und per Funk begleitet werden. Ob ich’s doch noch mal wagen soll? Erst mal den Hang ‚runterrutschen’? Den Umgang mit dem Fluggerät lernen? Um später einen Alleinflug … Stopp. Das ist mir jetzt doch etwas zu früh für solche Gedanken. Sonst bekomme ich beim Gedanken daran schon weiche Knie. Aber gluschtig gemacht hat es mich. Mal sehen. Vielleicht.

Vorbeifahrende Schiffe

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Immer wieder geben mir Bücher Impulse für mein Leben. So wie vor der Australienreise letzten Winter. „Globejotting“ heisst der Titel, von Gabriele Clara empfohlen, als ich mit ihr übers Tagebuchschreiben redete. Der Autor Dave Fox empfiehlt darin, täglich drei Eindrücke kurz zu notieren.
Das war manchmal nicht ganz einfach wenn ich an einem Tag viel gesehen und erlebt hatte. Dann wieder gab es karge Tage, an denen ich ein wenig suchen musste, was es wert war notiert zu werden.
Und doch, wenn ich mir jetzt mein Tagebuch anschaue, kommen die Erinnerungen und Bilder sofort zurück, mit vielen Details. Die Notizen haben genau die Wirkung, die Dave Fox in „Globejotting“ voraussagt.

Sehnsuchtsorte

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Kein Wunder hat Giovanni Segantini keine Mühen gescheut um hier in der Nähe zu malen. Diese Berge, die frischen Farben, die klare Sicht, der Himmel so nah. Ein erhebendes Erlebnis auch für mich, das noch lange anhält. Dazu kam der gute Weg und der Rhabarberkuchen bei unserer Rast am Unteren Schafberg. So müssen Ferientage sein …

Luzzi, der Leuchtkäfer – vegan oder biologisch

Alle reden davon. Überall. Bio und vegan. Passt das wirklich so zusammen? Hmm, ich weiss nicht …

Veganes Essen. Vegane Kleider. Vegane Taschen, Schuhe, Möbel. Gut Möbel vielleicht nicht. Aber sonst … vegan vegan vegan. Das hört ja gar nicht mehr auf. Also, für mich ist das ja nichts. Denn was wir Leuchtkäfer fressen, ist sicher NICHT vegan. Ich weiss gar nicht ob wir überhaupt ohne unsere obligaten Schnecken überleben könnten.

Also, dann muss es wenigstens Bio sein. Bioschnecken, ja die futtere ich furchtbar gerne. Die schmecken ja so richtig wie sie immer geschmeckt haben. So vertraut und fein. Hab ja auch schon so behandeltes Zeug erwischt. Leider. Das war wohl Futter, das vorher durch so ein mit Schneckenkörnern behandeltes Feld geschlichen war. Pfui, war das grässlich. Dann schon lieber nichts, als so Chemiezeugs.

Vielleicht müssen wir ja in Zukunft nicht mehr so stur sein. Ihr veganischen Menschen esst mal zwischendurch ein Stück Biofleisch. Das ist nicht mal so verachtenswert. Da werden die Viecher auf biologischen Weiden geführt zum fressen, werden mit biologischen Bürsten gebürstet und mit biologischem Wasser getränkt. Und wenn sie mal Futter aus der Tüte (sprich Sack) bekommen ist es auch biologisch. Und schmecken tut ihr Fleisch auch viel besser, als das gepushte Massenfleisch, das an vielen Orten noch zu haben ist.

Und ich Leuchtkäfer fresse mal etwas Salat zur Abwechslung. Ist eventuell gut für die Verdauung. Aber Bio muss er sein. Und obendrauf müssen ein paar Schnecken sein. Als Dekoration.

Euer Luzzi Leuchtkäfer

Sehnsuchtsorte

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Malen am Himmel? War erlaubt am letzten Freitag. Und diese Farben. Haben mich geradewegs nach Australien an die Westküste versetzt. Dorthin wo der Maler im vergangenen November den Himmel mit den gleichen Farben angepinselt hatte. Nur lag dort nicht ein See sondern ein Meer vor mir.

Neues von Luzzi, dem Leuchtkäfer

On the road

Wisst ihr was? Ich war auf Reisen. So richtig weit weg von hier. Wollte mal sehen wie meine Kollegen in anderen Ländern leben.

Das war im Fall gar nicht so einfach. Nicht das Verreisen, nein das war easy. Aber die Leuchtkäfer dort zu finden. Das war echt mühsam. Immer wieder habe ich mich schlau gemacht. In Besucherzentren und Infobüros. Hab Leute auf der Strasse gefragt. Manche wussten nicht mal, dass es uns gibt und haben mich nur verständnislos angeschaut. Leuchtkäfer? Kenn ich nicht. Diese Banausen. Deshalb hab ich dann nach Glühwürmchen gefragt. Und siehe da, da fangen die Augen an zu leuchten. Wenigstens teilweise.

Eines Tages, als ich schon aufgeben wollte, hat mir die Lady an der Rezeption gesagt, dass ich unbedingt diesen Ausflug auf den Berg machen müsse. Sei nur 6 km von hier und der Picknick-Platz sei wirklich wunderschön gelegen. Mitten im Wald. Aber hallo, was soll ich auf einem Picknickplatz? Mein Futter den Berg hochschleppen und auch noch selber grillen? Wo doch das Restaurant nebenan ein so tolles Angebot hat, mit vielen farbigen Bildli auf der Karte. Und ich werde dort erst noch bedient.

Die Lady hat wohl gesehen, dass ich nicht begeistert war und hat sofort nachgeschoben: Ich müsse bis zum Einnachten warten, dann werde ich da oben am Strassenrand vor der Brücke mein wahres Wunder erleben. Also bin ich doch hochgefahren. Ohne Picknick und erst beim Einnachten. War schon gspässig so mitten im Wald in der Nacht. All das Gekreische, Geknurre, Gekrächze und Geknacke. Uääää, meine Flügel fingen von selbst an zu flattern. Trotzdem ging ich zurück über die Brücke zum Gebüsch am Strassenrand, wie mir die Rezeptions-Lady gesagt hatte. Und dort waren sie: Mega viele, nein tausende, wenn nicht gar Millionen von Leuchtkäfern. Der Strassenrand funkelte wie ein riesiges Diamantcollier. War das schöööön. Ich vergass beinahe, dass ich alleine mitten im dunklen Wald stand.

Hoffentlich könnt ihr auch mal sowas erleben. Ich wünsche es euch. Hier beginnt die Leuchtkäfer-Saison schon bald einmal. Packt die Chance.

Euer Luzzi Leuchtkäfer